Unsere Natur

Natur ist, was ohne Menschen gewachsen ist. Aber auch unsere Gärten sind Natur. Unsere Aufgabe ist es, sie zu pflegen, ernst zu nehmen und Begegnungen mit ihr zu ermöglichen.

Artenschutz
Unsere Gärten sind menschengemacht. Aber sie sind nicht nur idyllische Rückzugsorte für uns, sondern auch wichtige Lebensräume für viele Wildtiere und Wildpflanzen, darunter auch eine große Zahl, die hier ihre Hauptverbreitungsgebiete haben. Vögel, Fledermäuse, unzählige Insektenarten, kostbare Wildkräuter sowie alte oder seltene Obst- und Gemüsesorten und vieles, vieles mehr kann man bei uns finden.
   Auch die Grünstreifen zwischen Straßen und Autobahnen oder Industriebrachen sind neben den bekannten Naturschutzgebieten Orte, an denen die Natur sich (wieder) frei entfalten kann. Hier können sich seltene Tier- und Pflanzenarten ungestört ansiedeln. Auch wir Gärtner von Bornholm II haben einen solchen Ort in unmittelbarer Nähe: den ehemaligen Mauerstreifen. Der ehemalige Mauerstreifen und unsere Gärten bilden eine einzigartige grüne Oase mitten in Berlin – ein echtes Stück Stadtnatur.



Stadtklima
Unsere Gärten sind die „grüne Lunge“ zwischen Prenzlauer Berg und Pankow. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas. Vom Norden Berlins her zieht sich ein grünes Band bis in die Innenstadt: unsere Gärten, der ehemalige Mauerstreifen und der Mauerpark sind dabei besonders prägend. Stadtgärten enthalten einer Studie zufolge rund ein Viertel aller nicht in Wälder und Forsten wachsenden Bäume und machen bis zu 86 Prozent des gesamten städtischen Baumbestandes aus. Dies sorgt für ein messbar kühleres, gesünderes Stadtklima in der Betonwüste Berlins, von dem alle profitieren.

Naherholung
Unsere Anlage ist ein Naherholungsgebiet für die umliegenden Kieze, das diesen Namen wirklich verdient. Ein wunderschöner Spazierweg, der dem Auge zu jeder Jahreszeit mehr bietet als öffentliche Grünanlagen, vom Frühjahr bis zum Herbst voll bunter Blumen und Früchte und freundlicher Gärtner, die gern auch mal zum Plausch bereit sind. Gerade auch für Kindergarten- und Schülergruppen, sowie ältere oder in ihrer Mobilität eingeschränkte Menschen aus der nahen Umgebung ist es ein sehr kurzer Weg zu uns, um unmittelbare Erfahrungen in der Natur zu machen. Städtische Naturräume sind wichtig für das menschliche Wohlbefinden, denn ohne Natur kann Mensch nicht sein. Fehlt die Natur in unseren Siedlungen, sind oftmals Depressionen und neurotische Störungen die Folge. Das sollten auch Stadt- und Landschaftsplaner stets bedenken.

Nicht zuletzt sind unsere Gärten Orte der Muße und Gemeinschaft. Schöne Feste, Basare, Tage des offenen Gartens, gemeinsame Ernteaktionen und Führungen, die alle auch für die Öffentlichkeit zugänglich sind, finden bereits jetzt regelmäßig statt und sollen in Zukunft noch ausgeweitet werden. Informationen dazu sind hier auf der Homepage zu finden.





Geschichte und Geschichten

Kein Mist, die Anlage wurde 1896 auf einer Mülldeponie gegründet. Die ersten Siedler bauten an, um zu überleben.

Wie viele andere Berliner Laubenkolonien entstand auch die heutige Gartenkolonie „Bornholm“ ursprünglich ohne sorgfältige Planung und Absprachen ihrer Siedler. Die Gärten waren vor allem Anbauflächen für Obst und Gemüse und wurden seit Ende des 19. Jahrhunderts wild in Besitz genommen, um die kärglichen Lebensumstände der Siedler zu verbessern. Dem buchstäblichen Hunger verdankt die Kolonie möglicherweise ihren früheren Namen „Hungriger Wolf“, unter dem sie am 22. September 1919 beim Amtsgericht Wedding in das Vereinsregister eingetragen wurde.


Als 1908 der Bau der nahegelegenen Paul-Gerhardt-Kirche begann, verteilte man den Erdaushub ungleichmäßig auf das Territorium der heutigen Kleingartenanlage. Das erklärt die Höhenunterschiede von bis zu über einem Meter zwischen einzelnen Gärten der Kolonie.

In den Goldenen Zwanzigern wurde an genau der Stelle, wo sich auch heute Vereinshaus und Gaststätte befinden, das Gartenlokal „Tante Klara“ eröffnet, benannt nach Klara Vickers, der Betreiberin. Daneben stand damals der sogenannte Hungerturm, in dem Bier und Gurken gelagert wurden und der auch die Wasserversorgung der Gartenkolonie übernahm.

Während des Zweiten Weltkriegs zerstörten etliche Bomben das Laubengelände zwischen Esplanade in Pankow und Ibsenstraße im Prenzlauer Berg. Nach dem Wiederaufbau erhielt die Kolonie ihren jetzigen Namen aufgrund ihrer Lage nahe der Bornholmer Straße, die - im Nordischen Viertel des Prenzlauer Bergs gelegen - nach der dänischen Insel Bornholm benannt worden war.

Als am 13. August 1961 die Berliner Mauer gebaut wurde, hatte das auch gravierende Folgen für die Gartenkolonie Bornholm. Der Mauerbau machte die Kleingartenanlage von heute auf morgen mitten in der Stadt zum Grenzgebiet, für das besondere Besuchs- und Verhaltensregeln galten. So durfte in keinem der Kleingärten eine Leiter frei herumstehen, schließlich hätte sie als „Werkzeug“ zur Flucht über die Mauer genutzt werden können. An diese Jahre im Grenzgebiet denken die Gärtner nur ungern zurück.

Am 9. November 1989 bejubelten auch die Gärtner von Bornholm die Öffnung des ersten Grenzübergangs zwischen Ost- und Westberlin auf der Bösebrücke in unmittelbarer Nachbarschaft der Gartenkolonie. Im September 2016 feiert die Kolonie Bornholm ihr 120-jähriges Jubiläum: Anlass für einen Blick zurück. Aber die Geschichte geht weiter!




Bienen für das Volk

Wisst Ihr, was eine Win-win-Situation ist? Bienen in einer Gartenkolonie!

Es summt in unseren Gärten. Dafür sorgen neben den vielfältigsten Blütenbesuchern auch unsere Honigbienen. Für sie ist der Tisch bei uns reich gedeckt. Seit anderthalb Jahren beherbergen wir in Bornholm II wieder bis zu fünf Bienenvölker. Sie wohnen in sogenannten Beuten, den Bienenkästen. Besonders bei schönem Wetter kann man die fleißigen Insekten am Flugloch beim stetigen Ein- und Ausfliegen beobachten. Für ein 500-Gramm-Glas Honig müssen die Bienen rund 50.000 mal den Stock verlassen.

Doch unsere Bienen liefern nicht nur guten Honig: sie sind eine der tragenden Säulen im Ökosystem. Durch ihre Bestäubung leisten sie enorm viel für die Artenvielfalt – und letztlich auch zur Nahrungssicherheit. Ein einziges Honigbienenvolk mit rund 20.000 Flugbienen kann pro Tag drei Millionen Obstblüten bestäuben, hat der Naturschutzbund (Nabu) berechnet.

Durch das Aufstellen von Bienenvölkern lässt sich der Ertrag bei Himbeeren und Erdbeeren um 50 Prozent, bei Birnen um 71 Prozent, bei Pflaumen um 75 und Sauerkirschen um 78 Prozent und bei Äpfeln sogar um 86 Prozent steigern, heißt es. Bienen sichern eine reiche Ernte – und das nicht nur in unseren Gärten. Bienen in Bornholm II: eine echte Win-win-Situation eben.

Versilberter Honig

Am Sonntag, 9. Oktober 2016, hat “unser” Imker Jan-Vincent auf dem Berliner Imkertag an der Freien Universität eine Silber-Medaillie für seinen Honig “Sommerblüte mit Linde” erhalten. Jan-Vincent nahm in diesem Jahr zum ersten Mal an der Honigprämierung des Deutschen Imkerbundes (DIB) teil.

Der Berliner Landesverband hatte seine Imker aufgefordert, drei Gläser ihres Honigs für den Wettbewerb abzugeben. Bewertungskritieren der einmal jährlich stattfindenden Prämierung sind die Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbundes, die der “Echte Deutsche Honig” mindestens erfüllen muss. Diese sind strenger als die Bestimmungen der Lebensmittelgesetze, insbesondere als die Verordnung über Honig. So muss beispielsweise der Wassergehalt unter 18% liegen, denn wasserarme Honige sind reifer, weniger gärungsgefährdet und besitzen ein volleres Aroma. Neben den Inhaltsstoffen, dem Aussehen des Honigs und der korrekten Bezeichnung und Etikettierung wurde natürlich auch der Geschmack bewertet.

“Die Silber-Medaillie ist eine schöne Anerkennung für die Sorgfalt, die der Imker bei der Honigernte walten lassen muss”, freute sich Jan-Vincent.

Während das geöffnete und getestete Glas im Honiglabor blieb, werden die zwei weiteren Gläser übrigens auf der Grünen Woche für den guten Zweck veräußert.


Kleingartenverein Bornholm II e.V.
PRENZLAUER BERG